Architekturmodelle bereichern Ausstellung

In der Ausstellung „Bunte Stadt – Neues Bauen: Die Baukunst von Carl Krayl“ widmet das Kulturhistorische Museum Magdeburg erstmals den Architekten Carl Krayl, der Anfang der 1920er Jahre dafür sorgte, dass die seinerzeit von der Schwerindustrie geprägte – graue Metropole Magdeburg – eine bunte Stadt und ein Ort des Neuen Bauens wurde.

Die Ausstellung im Kulturhistorischen Museum ist Teil des Ausstellungsverbunds „Große Pläne! Die angewandte Moderne in Sachsen-Anhalt 1919-1933“ mit Präsentationen in sechs weiteren Städten Sachsen-Anhalts.
Carl Krayls wenig veröffentlichtes Werk wird in der Schau durch Skizzen, Pläne, historische Fotos und vom Fachbereich Architektur, Facility Management und Geoinformation der Hochschule Anhalt unter Leitung von Professor Axel Teichert neu angefertigte Architekturmodelle anschaulich dargestellt.

Der in den 1920er Jahren sehr bedeutende Architekt Bruno Taut, ab 1921 Stadtbaurat in Magdeburg, holte Carl Krayl in das Hochbauamt der Stadt an der Elbe. Sein erstes Projekt befasste sich damit, die Stadt in Farbe erstrahlen zu lassen. 80 Hausfassaden wurden koloriert, was der Stadt den Zusatz „bunte Stadt“ einbrachte.

Für die Mitteldeutsche Ausstellung Magdeburg (MIAMA) entwarf Krayl 1922 im Auftrag des Schokoladenherstellers Hauswaldt einen temporären Pavillon, der auf der Messe als Kakao-Trinkhalle diente. Der „Hauswaldt-Pavillon“ war ein vollkommen nach expressionistischen Grundsätzen gestaltetes Ausstellungsgebäude, wie es in den frühen zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts nur selten realisiert wurde. Dieses für Carl Krayl vielleicht spektakulärste Projekt wurde für die Ausstellung von Architekturstudentin Duygu Sen nach Originalplänen im Maßstab 1:100 nachgebaut.

Mithilfe dreidimensionaler Darstellung unter Leitung von Michael Walter, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Architektur, Facility Management und Geoinformation haben die Architekturstudenten Norman Strzelecki und Chris Krause den Werbepavillon zudem originalgetreu virtuell rekonstruiert. Über das in der Ausstellung installierte Virtual Reality-Projektionssystem „Naexus2“ der Hochschule Anhalt, einem runden Projektionsraum mit fünf Metern Durchmessern werden die Besucher in die 1920er Jahre zurück versetzt und erleben den Eindruck, vor dem Gebäude zu stehen, es zu umrunden und sogar hinein zu gehen.

Als freiberuflicher Architekt vollzog Krayl ab 1923 sehr früh die aus Holland beeinflusste Wendung vom Expressionismus zur Sachlichkeit, dem „Neuen Bauen“. Aufgrund steigender Einwohnerzahlen entstanden in den Jahren 1919 bis 1932 unter Mitwirkung Krayls 12.000 Wohnungen in Magdeburg. Sein Ziel war es, gesunden und qualitätvoll gestalteten für jedermann bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Es entstanden die Siedlungen „Fermersleben“, „Bauhütte“, „Cracau“ und „Curie“. Der Bau dieser Siedlungen brachte Magdeburg in die erste Reihe der bedeutenden Städte des modernen Siedlungsbaus in Deutschland. Sein Ideenreichtum an raffinierten Details bewahrte die Großsiedlungen vor monotoner Tristesse.

Für die Ausstellung haben die Architekturstudenten Darja Deising, Marcel Kahmann, Janine Ludwig, Kristina Rezanovich, Duygu Sen, Fabian Teichert, Danilo Teichert und Julian Teichert, drei Modelle dieser stadtbildprägenden und geschlossen erhaltenen 1920er Jahre Siedlungen angefertigt, an denen eindrucksvoll die Entwicklung abzulesen ist.

Auch das Gebäude der heutigen Allgemeinen Ortskrankenkasse, 1926 errichtet, wurde für die Ausstellung von Studentin Darja Deising als Modell nachgebaut. Es gilt als Krayls Magdeburger Meisterwerk, er schuf ein medizinisches Zentrum mit großräumigen Serviceeinrichtungen, einen für die damalige Zeit völlig neuen Bautypus.

Der Kurator der Ausstellung Dr. Michael Stöneberg lobte die Zusammenarbeit mit der Hochschule Anhalt und bedankte sich für die gute Ausarbeitung der Modelle, die die Darstellung des Gesamtwerks des Architekten Carl Krayls bestens unterstreichen.

Die Studierenden zeigten sich beeindruckt, Ihre über mehrere Wochen aus vielen Einzelteilen zusammengefügten Arbeiten in einer professionellen Präsentation erleben zu können. „Es freut mich sich zu sehen, wie im Studium Erlerntes praktische Anwendung findet und sich die einzelnen Modelle in die Gesamtausstellung einfügen“, so das Fazit von Julian Teichert, Architekturstudent im 3. Semester.

Nadine Nocken

Abbildungen (von o. nach u.):
Kurator der Ausstellung Dr. Michael Stöneberg führt die Studierenden der HS Anhalt durch die Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Magdeburg.

Eine „Heisse Schokolade“ an der Bar bestellen. Die Darstellung des Pavillons im Naexus2 macht es möglich.

Architekturstudentin Duygu Sen baute nach Originalplänen den Hauswaldt-Pavillon als Modell.

Dr. Michael Stöneberg erläutert das medizinische Zentrum von Carl Krayl.

Das Team der beteiligten Achitekturstudenten mit Prof. Axel Teichert und dem Kurator der Ausstellung Dr. Michael Stöneberg (links).

Ausstellungsort:
"Bunte Stadt - Neues Bauen: Die Baukunst von Carl Krayl" bis 12. Februar 2017 im Kulturhistorischen Museum Magdeburg, Otto-von-Guericke-Straße 68,
Di-Fr 10-17 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr